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Gesundheitslexikon
Im Gesundheitslexikon erhalten Sie ausführliche Informationen und Definitionen zu diversen Stichwörtern rund um Ernährung und Gesundheit.

Urheber dieses Lexikons ist die Reformhaus Fachakademie. Inhaltliche Abweichungen zu den EDEN Produktinformationen sind daher grundsätzlich möglich.




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Abführmittel

Abführmittel auch Laxanzien genannt, beschleunigen und erleichtern die Darmentleerung. Sie werden hauptsächlich gegen 1Verstopfung (Obstipation) eingesetzt, können aber bei dauerhafter Einnahme zu einer Gewöhnung und Darmträgheit führen und somit eine chronische Verstopfung auslösen.
Die gebräuchlichen Abführmittel sind nicht verschreibungspflichtig, aber apothekenpflichtig. Einige mild wirkende Abführmittel sind frei verkäuflich.

Anwendung von Abführmitteln:

Abführmittel bewirken einen weichen Stuhl und erleichtern oder beschleunigen die Darmentleerung. Sie werden angewendet bei:

Eine missbräuchliche Anwendung ist die Einnahme von Abführmitteln zur Gewichtsreduzierung. Diese ist durch Abführmittel nicht zu erreichen, sondern nur über eine verminderte Energiezufuhr / erhöhten Energieverbrauch zu erreichen. Außerdem können Nebenwirkungen (s.u.) auftreten.


Nebenwirkungen/Teufelskreis von Abführmitteln:

Regelmäßiger und dauerhafter Gebrauch der meisten Abführmittel führt zu einem so genannten Circulus vitiosus, also zu einem Teufelskreis. Elektrolyte, insbesondere Kaliumionen werden nach Abführmitteleinnahme vermehrt ausgeschieden. Da Kalium für die Darmbewegung (Peristaltik) notwendig ist, kann eine Verminderung des Kaliums im Organismus die Darmträgheit und damit die Verstopfung weiter verstärken. Der Kaliumverlust führt außerdem zu einer Hypokaliämie (niedriger Blutspiegel von Kalium), wodurch Muskelschwäche, Herzrhythmusstörungen und Nierenschädigungen auftreten können. Die Hypokaliämie kann auch die Behandlung mit herzstärkenden Arzneimitteln, Diuretika und Nebennierenrindensteroiden beeinträchtigen.
Neben Kaliumverlusten können bei Abführmittelmissbrauch auch Calcium- und Magnesiumverluste auftreten. Hieraus können Muskelkrämpfe und ein erhöhtes Osteoporoserisiko resultieren.

Außerdem kann eine regelmäßige Einnahme von Abführmitteln den Entleerungsreflex herabsetzen und den natürlichen Stuhlgang stören.


Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln:

Abführmittel können Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben. Zu beachten ist bei der gleichzeitigen Einnahme von:

Antibiotika: Antibiotika können die Wirkung von Abführmitteln teilweise oder sogar ganz aufheben.
Cortisonpräparaten: Cortison und Cortisonähnliche Substanzen (Nebennierenrindensteroide) können die Kaliumverluste durch bestimmte Abführmittel auch bei bestimmungsgemäßem Einsatz verstärken.
Entwässerungsmitteln: Harntreibende Medikamente, so genannte Diuretika, können den Kaliumverlust weiter verstärken. Durch den Kaliumverlust kann es zu Herz-Kreislaufstörungen und Muskelerschlaffung kommen, die wiederum die Darmträgheit verstärken können (siehe auch Teufelskreis der Abführmittel).
Herzmitteln: bei Patienten, die Herzglykoside (Digitalis) einnehmen, können die Abführmittel die Wirkung der Herzmedikamente verstärken. Eine veränderte Kaliummenge im Blut verändert auch die Wirkung der Herzglykoside. Für eine gleich bleibende, genau kontrollierte Wirkung ist daher ein konstanter Kaliumspiegel notwendig. Einige Abführmittel hingegen führen häufig zu Kaliumverlusten.
Verhütungsmitteln (Antibabypille): diese können ausgeschieden werden ohne ihre verhütende Wirkung entfaltet zu haben.
Ebenfalls zu Problemen kann es in Verbindung mit Herzglykoside kommen. Die Aufnahme von gleichzeitig eingenommenen Medikamenten aus dem Magen-Darm-Trakt in die Blutbahn kann verzögert werden. Bei insulinpflichtigen Diabetikern kann eine Reduzierung der Insulindosis erforderlich sein.


Gegenanzeigen:

Besonders bei unklaren Bauchbeschwerden oder Bauchschmerzen darf ohne ärztliche Abklärung kein Abführmittel genommen werden, da evtl. ein Darmverschluss (Ileus) die Ursache sein kann. Ebenfalls ohne ausdrückliche ärztliche Genehmigung dürfen Abführmittel bei Darmerkrankungen wie z. B. Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa nicht genommen werden. Auch während einer Schwangerschaft und der Stillzeit ist unbedingt der Arzt zu befragen, welche Abführmittel ohne Risiko verwendet werden dürfen. Bei Kindern unter 12 Jahren ist immer der Arzt zu fragen, da nicht alle Abführmittel für Kinder geeignet sind.


Abführmittelgruppen:

Nach ihren Wirkprinzipien werden Abführmittel unterteilt in: Mechanisch wirkende Abführmittel (Füll- und Quellstoffe)

Füll- und Quellstoffe sind meist Naturprodukte (Leinsamen, Flohsamen, Indische Flohsamenschalen, Weizenkleie). Sie werden nicht verdaut und vom Körper nicht aufgenommen. Die Stoffe entfalten ihre Wirkung indem sie Wasser aufnehmen und quellen, wodurch sich das Volumen, also die Menge des Darminhaltes vergrößert. Dadurch kommt es zu einem Dehnungsreiz auf die Darmwand, wodurch reflektorisch der Stuhlgang eingeleitet wird. Bei der Anwendung der Füll- und Quellstoffe muss reichlich getrunken werden. Sonst besteht die Gefahr eines Darmverschlusses, da der Darminhalt verklumpen oder verkleben kann.

Vorteile: Nachteile: Osmotisch wirkende Abführmittel

Osmotisch wirksame Stoffe (Salz- und Zuckerverbindungen, Kohlenwasserstoffverbindungen) bewirken im Darm einen erhöhten osmotischen Druck. Durch Einstrom von Wasser in den Darm wird der erhöhte osmotische Druck ausgeglichen. Dadurch kommt es in Folge der vergrößerten Stuhlmenge zu einer Dehnung der Darmwand und damit zu der abführenden Wirkung.
Die so genannten salinischen Abführmittel wie Natriumhydrogenphosphate, Natriumsulfat (= Glaubersalz), Magnesiumsulfat (= Bittersalz) und Natriumcitrat sind Salze, die sich im Wasser lösen und Anionen enthalten, die osmotisch aktiv sind und Wasser im Darm zurückhalten.
Zucker und Zuckeralkohole wie Lactulose, Lactitol, Lactose und Sorbitol führen im Darm zu einem erhöhten osmotischen Druck, der durch vermehrte Wassereinlagerung ausgeglichen wird. Dadurch wird der Stuhl erweicht und die Stuhlmenge erhöht.
Bei den Kohlenwasserstoffverbindungen, die eine relativ neue Gruppe innerhalb der Abführmittel darstellen, handelt es sich um Polyethylenglykole wie Macrogol 4000 und Macrogol 3350.
Der Name Macrogol ist eine Kurzbezeichnung für Polyethylenglykol. Die Ziffer hinter der Substanz gibt das mittlere Molekulargewicht an.

Vorteile: Nachteile: Antiresorptiv und hydragog wirkende Abführmittel

Diese Abführmittel hemmen die Resorption, also die Aufnahme von Natrium und Wasser aus dem Darm und werden daher als antiresorptiv bezeichnet. Zusätzlich wirken sie hydragog, weil sie zu einem Einstrom von Elektrolyten und Wasser in den Darm führen. Sie können natürlicher oder synthetischer Herkunft sein und führen zu einem starken Verlust an Elektrolyten.
Diese Laxanziengruppe darf daher nicht auf Dauer angewendet werden. Zu den pflanzlichen Abführmitteln dieser Gruppe gehören die Anthraglykosid-haltigen Pflanzen wie Aloe, Faulbaumrinde, Rhabarberwurzel sowie Sennesblätter und –früchte. Sie sind aufgrund ihrer Nebenwirkungen im Jahre 1990 apothekenpflichtig geworden. Ebenso zählt hierzu das Rizinusöl. Die Wirkung tritt nach der Einnahme von rund 10 bis 30 Millilitern Rizinusöl etwa zwei bis vier Stunden später durch die eigentlich wirksame Rizinolsäure ein, eine C18-Fettsäure, die erst im Dünndarm durch körpereigene Lipasen (=fettspaltende Enzyme) freigesetzt wird. Durch die Sammlung von Wasser im Darm entsteht eine vergrößerte und erweichte Stuhlmenge und damit die abführende Wirkung. Zusätzlich führt die freigesetzte Rizinolsäure zu einer Reizung der Darmschleimhaut, wodurch ebenfalls eine abführende Wirkung entsteht.
Zu den Antiresorptiv und hydragog wirkenden Abführmittel synthetischer Herkunft gehören die Diphenole, die ausgehend vom Phenolphthalein entwickelt wurden, das wegen erheblicher Nebenwirkungen nicht mehr verwendet wird. Aktuell werden Bisacodyl und Natriumpicosulfat als diphenolische Abführmittel verwendet:

Vorteile: Nachteile: Gleitmittel
Gleitmittel wie Glycerol oder dickflüssiges Paraffin erweichen den Stuhl.

Vorteile: Nachteile: Andere Abführmittel
Hierzu zählen zum Beispiel Abführmittel, die zu einer Gasentwicklung im Darm führen wie Natriumhydrogencarbonat.
Bei einer Gasentwicklung im Enddarm entsteht ein Dehnungsreiz auf die Darmwand und als Folge davon der Reflex zur Darmentleerung.

Abführmittel im Reformhaus:

Im Reformhaus sind alle mild wirkenden Abführmittel natürlicher Herkunft vertreten. Zudem gibt es eine Reihe von Lebensmitteln mit laxierender Wirkung (Trockenpflaumen, Sauerkrautsaft u.a.).
Zur Erzeugung eines physiologischen Darmmilieus gibt es eine Reihe von pro- und prebiotischen Produkten.


Literatur
  • Bierbach, E. (Hrsg.): Naturheilpraxis Heute; Urban & Fischer, 2.Aufl.
  • Mutschler, E.: Arzneimittelwirkungen; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 7. Aufl.

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