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Gesundheitslexikon
Im Gesundheitslexikon erhalten Sie ausführliche Informationen und Definitionen zu diversen Stichwörtern rund um Ernährung und Gesundheit.

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Lunge

Die Lunge ist das Atmungsorgan des Menschen. Über die Lunge wird der Sauerstoff aus der Luft aufgenommen, in das Blut übertragen, gleichzeitig Kohlendioxid als Stoffwechselendprodukt der Energiegewinnung abgeatmet.

Begriffsbestimmungen:

Griechisch heißt die Lunge Pleumon, lateinisch Pulmo. Die Lehre von der Anatomie und Physiologie der Lunge ist die Pneumolologie. Die Lunge besteht aus 2 Lungenflügeln, diese wiederum bestehen aus den Lungenlappen (= Lobus). Der rechte Lungenflügel besteht aus 3 Lungenlappen, der linke aus 2.

Nach der Einatmung gelangt die Luft über Nase/Mund in die Luftröhre (Trachea), ein rund zehn cm langes, biegsames Rohr. In Höhe des vierten Brustwirbel teilt sich die Trachea in der Luftröhrengabel (Bifurcatio tracheae) in zwei Hauptbronchien (lat.: bronchia; griechisch brógchia, zu: brógchos = Luftröhre, Kehle).

Das Bronchialsystem wird gerne mit dem Bild eines auf dem Kopf stehenden Baums verglichen. Den Stamm bildet in diesem Vergleich die Luftröhre, die sich in 2 große Äste gabelt, die Bronchien, weitere Äste sind die Bronchiolen, während die Lungenbläschen - die Alveolen - die Blätter sind. In den Alveolen findet der eigentliche Gasaustausch statt.
Die Lunge wird bedeckt von den beiden Pleuren, eine Doppelhaut, die auch als Brustfell bezeichnet wird. Die äußere der beiden Häuten ist das Rippenfell (Pleura parietalis), die innere das Lungenfell (Pleura visceralis oder Pleura pulmonalis).

Zwischen den beiden Häuten befindet sich ein dünner mit Flüssigkeit gefüllter Spalt, der Pleuralspalt. Dieser Aufbau ermöglicht ein nahezu reibungsloses Gleiten der Häute gegeneinander vergleichbar einem nicht aufgeblasenem Luftballon, der mit etwas Wasser gefüllt ist und den man zwischen Daumen und Zeigefinger hin und her bewegt.
Das Lungenfell bedeckt jeweils die beiden Lungenflügel. Es ist lediglich am Lungenhilus unterbrochen, einer Stelle an der Blutgefäße und die Hauptbronchien in die Lunge münden.

Anatomie der Lunge:

Wie schon bei den Begriffsbestimmungen erläutert, gleicht der Lungenaufbau einem auf den Kopf gestellten Baum. Jeder Lungenlappen wird durch einen “Bronchus“ versorgt, der sich innerhalb des Lappens weiter in die kleineren Bronchiolen aufgabelt und anschließend in den kleinsten Strukturen mündet, den Lungenbläschen (Alveolarbläschen). Diese bilden als „traubenförmige Aussackung“ das äußere Ende des Bronchialbaumes. Sie sind umgeben von elastischem Bindegewebe und durchzogen von einem feinen Blutgefäßsystem. Dort findet der so genannte Gasaustausch statt.

Physiologie der Lunge:

Die Muskeln des Brustkorbs zusammen mit der Atemhilfsmuskulatur heben beim Einatmen den Brustkorb an, gleichzeitig senkt sich das Zwerchfell. Der Unterdruck im Pleuralspalt zwischen Rippen- und Lungenfell sorgt dafür, dass die Lunge nicht zusammenfällt. Somit dehnt sich die Lunge aus und ermöglicht das Einströmen von Luft. Umgekehrt senkt sich der Brustkorb beim Ausatmen, das Zwerchfell erschlafft. Somit wird Luft aus der Lunge herausgedrückt.

Der Abstand zwischen dem Gewebe der Lungenbläschen und den kleinsten Blutgefäßen, den Kapillaren beträgt nur etwa einen Mikrometer. Dies ist die Stelle, an der der Sauerstoff aus der eingeatmeten Luft in die roten Blutkörperchen übertragen wird. Das Eisen im roten Blutfarbstoff, dem Hämoglobin kann den Sauerstoff binden. Im Gegenzug gibt das Blut Kohlendioxid ab, das dann abgeatmet werden kann.

Die Lunge in Zahlen:

Die Lungenbläschen haben in etwa einen Durchmesser von 0,2 mm. Aufgrund der Vielzahl dieser Alveolen - beide Lungen zusammen besitzen ca. 300 Millionen Lungenbläschen - ergibt sich mit 100 m2 eine riesige Oberfläche für die Hauptaufgabe der Lunge, den Gasaustausch.

Die auf Körpertemperatur (circa 37 Grad Celsius) erwärmte eingeatmete Luft wird zu 100 Prozent mit Wasserdampf gesättigt. Die unterschiedliche Zusammensetzung von ein- und ausgeatmeter Luft zeigt die folgende Tabelle:

Luftgase Einatemluft in % Ausatemluft in %
Stickstoff (+ Edelgase)
79,1 74,3
Sauerstoff 20,9 15,1
Kohlendioxid 0,03 4,4
Wasserstoff
6,2

Die Ruhe-Atemfrequenz hängt auch vom Alter ab. Ein Erwachsener atmet in Ruhe etwa15mal pro Minute ein/aus, ein neugeborenes Kind zwischen 40 und 50mal, Kinder und Jugendliche liegen dazwischen. Das Volumen eines Atemzugs (= Atemzugvolumen) beträgt circa 0,5 Liter Luft.
Das so genannte inspiratorische Reservevolumen steht beim tiefen Einatmen zusätzlich zur Verfügung. Es beträgt etwa 2,5 L.
Das exspiratorisches Reservevolumen kann nach einem normalen Atemzug noch zusätzlich ausgeatmet werden. Durch eine solche tiefe Ausatmung können weitere 1,5 L abgeatmet werden.
Das Volumen, das auch bei größter Anstrengung nicht mehr abgeatmet werden kann, ist das mit 1 bis 2 Liter Luft verbleibende Rest- oder auch Residualvolumen.

Die Vitalkapazität errechnet sich nach folgender Formel:

Atemzugvolumen + inspiratorisches RV + exspiratorischem RV = Vitalkapazität

Sie ist abhängig von Alter, Geschlecht, Körperbau und Trainingszustand und variiert von 3 bis 7 Liter.

Aufgaben der Lunge:

Die Hauptaufgabe der Lunge ist die Versorgung des Körpers mit Luftsauerstoff.

Parallel dazu gewährleistet sie die Abgabe von Kohlendioxid.

Alle Vorgänge, die diesen Zwecken dienen, werden als Atmung bezeichnet.

Der Sauerstoff aus der Luft wird an den roten Blutfarbstoff Hämoglobin reversibel gebunden, um ihn nach Transport durch das arterielle Gefäßsystem an die verschiedenen Gewebe/Organe abzugeben. Kein Organ des menschlichen Körpers kann längere Zeit ohne Sauerstoff­versorgung überleben. In den Venen fließt sauerstoffarmes Blut wieder zurück zum Herzen (großer Kreislauf).

Über den kleinen Kreislauf (Herz-Lunge-Herz) wird das Blut wie beschrie­ben mit Sauerstoff angereichert. In allen Arterien mit Ausnahme der Lungenarterien fließt also sauerstoffreiches Blut. Die beiden Lungen­arterien enthalten das venöse – sauerstoffarme Blut – und münden in der Lunge, wo das Blut wieder mit frischem Sauerstoff angereichert wird und über die Lungenvenen zurück zum Herz fließt. Auch hier bilden die Lungenvenen eine Ausnahme. Während normalerweise Venen sauerstoffarmes Blut führen, enthalten die Lungenvenen sauerstoff­reiches Blut.

Messung der Lungenfunktion und diagnostische Verfahren:

Eine bedeutende und bewährte Methode zur Überprüfung der Lungen­funktion ist die Spiroergometrie. Darunter versteht man “die Messung der willkürlich mobilisierbaren Lungenvolumina und des Atemflusses“. Voraussetzung ist die aktive Mitarbeit des Patienten, der nach Anweisung des Arztes durch ein Mundstück ein und ausbläst. Das mit dem Mundstück verbundene Gerät – das Spirometer - erfasst die Menge der geatmeten Luft und auch die Geschwindigkeit des Luftstroms.

Die Spirometrie wird eingesetzt in der gesundheitlichen Eignungsprüfung z.B. bei Feuerwehr und Polizei aber auch zur Diagnose von häufigen Lungenerkrankungen wie beispielsweise dem Asthma bronchiale oder der Chronischen Obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Auch der Verlauf von Lungenerkrankungen und therapeutische Fortschritt kann mittels Spiroergometrie festgestellt werden. Parameter, die bei der Spiroergometrie erfasst werden sind das Atemzugvolumen, das Reserve­volumen und die Vitalkapazität. (siehe auch – die Lunge in Zahlen)

Weitere wichtige Kenngrößen sind die Einsekundenkapazität (FEV1), das ist die Luftmenge, die nach maximaler Einatmung rasch innerhalb einer Sekunde ausgeatmet werden kann und die Fluss-Volumen-Kurve, bei der gemessenen Werte des Atemflusses (Volumen/Zeit) gegen das Atemvolumen aufgetragen wird.

Mit der Bodyplethysmographie können die Lungenvolumina noch besser als durch die Spiroergometrie erfasst werden.
Die Funktion des Gasaustausches in der Lunge also ihrer Hauptaufgabe wird erfasst mittels der Diffusionskapazität (DLCO) und/oder einer arteriellen Blutgasanalyse (BGA).

Der Nachweis einer Hyperreagibilität der Bronchien (BHR) – also einer übermäßigen Reaktionsbereitschaft der Bronchien - kann durch einen bronchialen Provokationstest mit Metacholin-Inhalation erfolgen. Dadurch
kann ein verborgenes (latentes) Asthma erkannt werden.

Alle in Ruhe durchgeführten Untersuchungen geben evtl. nur ein unvollständiges Bild über die Leistungsfähigkeit. Deswegen sind Belastungsuntersuchungen ggf. aussagekräftiger.

Krankheiten der Lunge:

Die wichtigsten und häufigsten Erkrankungen der Lunge sind:

Asthma Bronchiale (griech. – Beklemmung)
Ist eine chronische und anfallsartig auftretende, entzündliche Erkrankung der Atemwege; charakteristisch ist die erhöhte Empfindlichkeit der Bronchien gegenüber verschiedenen Reizen (so genannte bronchiale Hyperreagibilität). Typische asthmatische Beschwerden sind pfeifende Atmung, Husten, Engegefühl in der Brust, Kurzatmigkeit und Luftnot. Oft treten sie nachts und in den frühen Morgenstunden auf. Unterschieden werden allergisches, nicht-allergisches (intrinsisches) und gemischtförmiges Asthma.

Bronchitis (Akut und chronische Form)
Ist eine Entzündung der Schleimhäute in den Bronchien. Sie zählt zu den häufigsten Erkrankungen überhaupt. Auf 100.000 Einwohner kommen pro Woche rund 80 Patienten. In den Wintermonaten verdoppelt sich diese Anzahl. Frauen und Männer sind gleich häufig betroffen.

COPD (= Chronic obstructive pulmonary disease)
bezeichnet eine chronisch obstruktive Bronchitis (COB) mit oder ohne Lungenemphysem. Der Begriff obstruktiv bedeutet eine Verengung der Atemwege - der Luftstrom ist vor allem beim Ausatmen behindert. Häufigste Ursache für COPD ist das Rauchen.

Lungenemphysem
Hier sind die Lungenbläschen (Alveolen) betroffen und somit der Gasaustausch. Sie sind teilweise zerstört und überdehnt, die innere Oberfläche verkleinert. Eine Folge ist die Erschwernis der Ausatmung mit zunehmender Kurzatmigkeit und Erschöpfung bei Belastung.

Lungenentzündung (Pneumonie)
Ist eine Entzündung der Lungenbläschen und oder des Lungengewebes, gekoppelt mit einer Flüssigkeitsansammlung im Gewebe. Sie ist die häufigste zum Tode führende Infektion in Westeuropa. In der Todesursachenstatistik liegt sie an 5. Stelle. Auslöser sind meist Bakterien.

Lungenkrebs
zählt in Deutschland mit etwa 40.000 Todesfällen pro Jahr zu den häufigsten bösartigen Erkrankungen (bei Männern die häufigste, bei Frauen die dritthäufigste Krebs bedingte Todesursache) und ist selten heilbar. Meist betroffen sind die oberen Lungenflügel, die den stärksten Kontakt mit krebserregenden Stoffen haben. Häufigste Ursache für Lungenkrebs ist das Rauchen.
Angaben modifiziert nach http://www.lungenaerzte-im-netz.de

Beeinflussung der Lungenfunktion durch naturheilkundliche Mittel und Verfahren:

Direkt mit der Atemfunktion beschäftigt sich die Atemtherapie. Sie arbeitet sowohl prophylaktisch als auch nachbehandelnd. Unter dem Begriff Atemtherapie finden sich verschiedene Methoden. Atemtherapie im streng medizinischen Sinn ist eine spezielle Behandlung im Rahmen der Physiotherapie. Ein lungenkranker Patient erlernt dabei verschiedene Atemtechniken, um die Symptome seiner Krankheit zu lindern.
Angeboten werden beispielsweise verschiedene Übungen zur Verbesserung der Lungenfunktion.
Andere Ansätze der Atemtherapie wie z. B. nach Ilse Middendorf haben einen umfassenderen ganzheitlichen Ansatz, der über die reinen Techniken und Übungen hinausgeht und auch spirituelle Aspekte beinhaltet.

Bewegungstherapie: hier ist ein moderates Ausdauertraining das wichtigste Element. Wirkungen sind: Steigerung der Vitalkapazität, Steigerung des Atemvolumens und eine verbesserte Ventilation der Lunge. Auch die maximale Sauerstoffaufnahmekapazität steigt.

Ordnungstherapie: hier werden verschiedene Aspekte eines gesunden Lebensstiles zusammengefasst, die sich fast alle auch günstig auf den Atemapparat auswirken. In einer der neun Ordnungsregeln nach Bircher-Benner heißt es beispielsweise im Ordnungsgesetz der Lungen:
“Die Lungen brauchen frische und saubere Luft zu jeder Zeit und an jedem Ort.“

Phytotherapie: Die meisten Heilpflanzen, die im Bereich der Atemorgane eingesetzt werden, haben vor allem hustenlindernde Wirkungen bei Bronchial- und Reizhusten. (Erkältungskrankheiten)



Literatur
  • Despopoulos A., Silbernagl S.: Taschenatlas Physiologie; 8. Aufl.; Thieme Verlag 2012

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