EDEN
Gesundheitslexikon
Im Gesundheitslexikon erhalten Sie ausführliche Informationen und Definitionen zu diversen Stichwörtern rund um Ernährung und Gesundheit.

Urheber dieses Lexikons ist die Reformhaus Fachakademie. Inhaltliche Abweichungen zu den EDEN Produktinformationen sind daher grundsätzlich möglich.




A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Z

Milchsäure


Milchsäure ist eine organische Säure, die als Produkt des Energiestoffwechsels in der Natur sehr weit verbreitet ist. Ihren Namen hat sie der erstmaligen Identifizierung in saurer Milch zu verdanken.
Die Salze der Milchsäure werden als Lactate bezeichnet. Die Milchsäure hat für den Menschen keinen essentiellen Charakter. Interessant sind ihre gesundheitsfördernden Wirkungen (bzw. die der Milchsäure-Produkte) und die Frage der physiologischen Bedeutung der beiden Milchsäure-Formen.

L(+)- und D(-)-Milchsäure:

Die Milchsäure kommt in zwei Formen vor. Diese unterscheiden sich durch die räumliche Anordnung einer OH-(Wasserstoff-Sauerstoff) Gruppe am mittleren C-(Kohlenstoff) Atom und werden als L(+)- oder rechtsdrehende und D(-)- oder linksdrehende Milchsäuren bezeichnet. Sie sind chemisch gleich, aber in ihrem physikalischen und physiologischen Verhalten verschieden.

Konfigurationen: der Milchsäure

             
COOH       COOH    
|       |    
OH - C - H       H - C - OH    
|       |    
H - C - H       H - C - H    
|       |    
H       H    
     
rechtsdrehende Milchsäure   linksdrehende Milchsäure
L(+)-Milchsäure   D(-)-Milchsäure


Vorkommen:

Im menschlichen und tierischen Stoffwechsel entsteht fast ausschließlich die L(+)-Milchsäure als Zwischenprodukt des Kohlenhydrat- und Aminosäurestoffwechsels. Auch in der Pflanze ist diese Form überwiegend enthalten. Hauptproduzenten von D(-)-Milchsäure sind Mikroorganismen, v.a. Milchsäurebakterien. Es gibt Stämme, die ausschließlich D(-)- oder L(+)-Milchsäure oder aber ein D/L- Gemisch bilden. Milchsäure-fermentierte Lebensmittel wie Sauermilchprodukte, Gärgemüse, Rohwürste, Sauerteig und Wein bilden die Hauptquellen der D(-)-Milchsäure-Zufuhr. In der Nahrungsmittelindustrie spielt D/L-Milchsäure bzw. D/L-Lactat eine große Rolle als Lebensmittel Zusatzstoff. Eine durchschnittliche Tageskost enthält beträchtliche Mengen (10 g und mehr) sowohl an L(+)- als auch an D(-)-Milchsäure. Milchsäure entsteht auch in den mikrobiell besiedelten Bereichen unseres Organismus wie z.B. im Darm und im Vaginalbereich.

Physiologische Bedeutung:

Die auch vom Körper gebildete L(+)-Milchsäure hat eine zentrale Stellung im menschlichen Stoffwechsel. Sie dient vorwiegend der Energiegewinnung v.a. in Muskeln, Leber und roten lutzellen, kann aber auch als Ausgangssubstanz zum Aufbau von Glucose, Fettsäuren und Steroiden genutzt werden. Für die Darmflora ist die Milchsäure ein wichtiger Schutzfaktor, indem sie die Ausbreitung von krankheitserregenden Mikroorganismen verhindert. Dieselbe Funktion übernimmt die bakterielle Milchsäure im Vaginalsekret und als Bestandteil des Säureschutzmantels auf der äußeren Haut, was man sich bei der Anwendung der Milchsäure als Naturheilmittel zunutze macht.

Nachteile der D(-)-Milchsäure:

Im Gegensatz zur L(+)-Milchsäure wird die D(-)-Milchsäure aus der Nahrung deutlich langsamer umgesetzt. Da der Organismus keine spezifischen Enzyme für die D-Form hat, kann sie nur zur Energiegewinnung herangezogen werden.

Für Transportvorgänge in Leberzellen, roten Blutzellen (Erythrozyten) und zur Überwindung der Blut-Hirn-Schranke fehlt ein D(-)-spezifisches Trägersystem. D(-)-Milchsäure verlangsamt die Verstoffwechslung von L(+)-Milchsäure und kann sich bei einem Überangebot in den Geweben ablagern.

Risikogruppen und Befunde: Eine Beeinträchtigung des Stoffwechsels von Gesunden ist auch bei einer D(-)-milchsäurereichen Ernährung bisher nicht beobachtet worden. In dem Bestreben die Zahl und Menge der den Organismus belastenden körperfremden Stoffe möglichst gering zu halten, sollte man jedoch nicht zu viel unphysiologische D(-)-Milchsäure aufnehmen.

Diätetische Hinweise:

Milchsaure Produkte mit überwiegend rechtsdrehender L(+)-Milchsäure sind: Bei eiweißergänztem Molkefasten sollte nur eine Molke mit über 90 % L(+)-Milchsäure (Heirler Diät-Kurmolke) verwendet werden, um die Gefahr einer Azidose auszuschließen.




Literatur
  • Goll, H.W., Hintz, M.: L(+)- und D(-)-Milchsäure; RFA-Wissens. Reihe, Band 2, Oberursel.
  • Koerber, K.W. u.a.: Vollwert-Ernährung; Haug Verlag, Heidelberg.
  • Arens/Günther: Ernährungslehre; Schroedel Verlag.
  • Anemueller, H.: Gesund leben, aber wie?; Hippokrates Verlag.

Urheber dieses Lexikons ist die Reformhaus Fachakademie. Inhaltliche Abweichungen zu den Eden Produktinformationen sind daher grundsätzlich möglich.


A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Z