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Gesundheitslexikon
Im Gesundheitslexikon erhalten Sie ausführliche Informationen und Definitionen zu diversen Stichwörtern rund um Ernährung und Gesundheit.

Urheber dieses Lexikons ist die Reformhaus Fachakademie. Inhaltliche Abweichungen zu den EDEN Produktinformationen sind daher grundsätzlich möglich.




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Naturheilkunde / Naturheilverfahren

Naturheilverfahren werden gemäß der Definition des Zentralverbandes der Ärzte für Naturheilverfahren wie folgt beschrieben:


Auch der European Council of Doctors for Plurality in Medicine (ECPM) in Brüssel schließt sich dieser Definition weitestgehend an.

Naturheilverfahren als Abgrenzung zur “konventionellen“ (“Schul“-)Medizin:

Im Unterschied zu der oben beschriebenen, differenzierten Definition der Naturheilverfahren sind zahlreiche Schlagwörter als Synonyme im Umlauf, die primär die Abgrenzung zur konventionellen Medizin betonen und mit der Wortwahl eine bestimmte Bewertung einschließen. In dem Lehrbuch “Naturheilverfahren“ von Melchart werden folgende Begriffe genannt:
  • Alternative Medizin
  • Außenseitermethoden
  • Biologische Medizin
  • Erfahrungsmedizin
  • Ganzheitsmedizin
  • Komplementäre Medizin
  • Naturgemäße Heilverfahren
  • Nicht etablierte Heilverfahren
  • Unkonventionelle medizinische Richtungen

Insbesondere die Erfahrung des Arztes sowie die ganzheitliche Sicht von Arzt und Patient spielen bei den Naturheilverfahren eine wichtige Rolle. Die “symptombezogene und individualisierende Heilpraxis“ steht im Vordergrund.

Charakteristisch für Naturheilverfahren ist auch die Forderung nach mehr Ganzheitlichkeit in der Medizin. Der Patient soll nicht nur aufgrund bestimmter “objektivierender“ Messparameter wie z. B. Blutwerte behandelt werden, er soll als Person mit allen Lebensbezügen beachtet werden. So genannte humanistische Wechselbeziehungen wie die im Folgenden genannten Faktoren sollten aus naturheilkundlicher Sicht stärker berücksichtigt werden:
  • Lebensstilfaktoren
  • Psycho-physische Interaktionen
  • Soziales Milieu
  • Umweltfaktoren

Klassifizierung der Naturheilverfahren:


Als "Klassische Naturheilverfahren" werden die Therapien der Natur­heil­kunde bezeichnet, die über eine lange Tradition verfügen und echte (genuine) Naturfaktoren einsetzen, wie z. B. Wärme, Kälte, Wasser und Heilpflanzen, aber auch Bewegung und mechanische Kraft. Zu ihnen zählen die Ernährungstherapie, die Hydrotherapie, die Lichttherapie, die Phytotherapie, die Thermotherapie, und die physikalischen Therapien. Auch die Elektrotherapie rechnet man zu ihnen.

Unter den Begriff "Erweiterte Naturheilverfahren" fallen die Methoden, die in Nachahmung natürlicher Prozesse Heilungsprozesse in Gang setzen (z. B. Eigenblutbehandlung und die Neuraltherapie). Im Verständ­nis der Bevölkerung zählt auch die Homöopathie zu den “Erweiterten Naturheilverfahren“.
In den Lehr- und Lerninhalte für den Weiterbildungskurs "Naturheil­verfahren“ werden folgende Verfahren mit ihren Unterpunkten genannt:

Ausleitende und umstimmende Verfahren
  • Hämodilutionstherapien (Aderlass)
  • Blutegel
  • Cantharidenpflaster
  • Schröpfen
  • Diaphoretische Verfahren
  • Diuretische Verfahren
  • Laxierende Verfahren
  • Eigenbluttherapien
  • Verfahren zur Erhöhung der Körpertemperatur
  • Medikamentöse Umstimmungsverfahren

Balneotherapie, Klimatherapie und verwandte Maßnahmen
  • Hydrotherapie: Waschungen, Güsse, Wickel, Packungen
  • Bäder: medizinische Voll-/ Teilbäder, Luftbäder, Überwärmungsbäder,
  • Dampfbäder, Sauna, Aerosoltherapie
  • Ortsgebundene Heilmittel: Peloide*, Heilwässer, Klimatherapie: Küsten-Klima, Mittelgebirgs-Klima, Hochgebirgs-Klima, Thalasso Therapie**

    * Peloide sind Substanzen aus dem Erdreich wie z. B. Moor und Schlamm, die zu Bäder und Packungen dienen und sich durch ein hohes Wasserbindungsvermögen auszeichnen
    ** Thalasso abgeleitet aus dem altgriechischen Wort für Meer bezeichnet die Behandlung von Krankheiten mit kaltem oder erwärmtem Meerwasser, Meeresluft, Algen, Sand, Schlick und Sonne

Bewegungstherapie, Atemtherapie, Entspannungstherapie
  • Medizinische Trainingslehre
  • Physiotherapie
  • Terraintraining
  • Sport-Therapie
  • Atemtherapieverfahren
  • Autogenes Training
  • Progressive Muskelrelaxation
  • Feldenkrais

Ernährungsmedizin und Fasten
  • Ernährungsphysiologische Grundlagen
  • Ernährungstherapie (Grunddiätsystem)
  • Vollwerternährung und ihre krankheitsbezogenen Varianten
  • Spezielle Ernährungsregime
  • Fastenvarianten

Heilungshindernisse und Grundlagen der Neuraltherapie
  • System der Grundregulation
  • Störfeld
  • Neurovegetativum
  • Heilungs- und Therapiehindernisse
  • subtoxische Belastungen
  • diagnostische Möglichkeiten
  • neuraltherapeutische Injektionstechniken

Massagebehandlung, Reflextherapie, manuelle Diagnostik
  • klassische Massage
  • manuelle Lymphdrainage
  • Unterwasserdruckstrahl-massage
  • Diagnosemethoden der manuellen Medizin
  • Reflextherapie
  • Bindegewebsmassage
  • Segmentmassage
  • Periostbehandlung
  • Colon-Massage

Ordnungstherapie und Chronobiologie
  • Definition und Anspruch der Ordnungstherapie
  • das ärztliche Gespräch
  • Gesundheitsbildung und Beratung
  • Krankenführung
  • Meditative Verfahren
  • Kreativtherapien
  • Körperwahrnehmungstherapien
  • Biologische Rhythmen

Phytotherapie und Medikamente aus Naturstoffen
  • Allgemeine Phytotherapie
  • Abgrenzung Phytotherapie / Homöopathie
  • Teerezepturen
  • Phytotherapie bei
    • infektiösen Krankheiten
    • Neubildungen
    • endokrine-, Ernährungs- und Stoffwechselstörungen
    • psychischen Krankheiten und Krankheiten
      • des Nervensystems
      • des Herz- Kreislauf-systems
      • der Atmungsorgane
      • des Verdauungs-systems
      • der Haut und Unterhaut
      • des Bindegewebes und Stützapparates
      • des Urogenitalsystems
      • Verletzungen
  • Behandlung mit Enzymen
  • mikrobiologische Therapie und ihre Anwendungsvarianten
  • Spurenelemente und Vitamine
  • Weitere Medikamente aus Naturstoffen

Physikalische Maßnahmen einschließlich Elektro- und Ultraschalltherapie
  • Fototherapie
  • Elektrotherapie u.a. TENS (=Transkutane elektrische Nervenstimulation)
  • Thermotherapie / Kryotherapie (unter Kryotherapie versteht man den gezielten therapeutischen Einsatz von Kälte)
  • Magnetfeldtherapie
  • Ultraschalltherapie

In der Bevölkerung werden zudem wissenschaftlich nicht anerkannte Verfahren unter dem Begriff Naturheilverfahren subsumiert. Die folgende Aufstellung nach Oster listet die populärsten “Außenseitermethoden“ auf:
  • Akupunktur
  • Autohomologe Immuntherapie (AHT)
  • Bioelektrische Funktionsdiagnostik (BFD)
  • Bioresonanztherapie (MORA-Therapie)
  • Chelat-Therapie
  • Colon-Hydro-Therapie
  • Elektroakupunktur nach Voll (EAV)
  • Elektroneuraldiagnostik und –therapie nach Croon
  • Hämatogene Oxidationstherapie (HOT)
  • Immuno-augmentative Therapie (IAT)
  • Irisdiagnostik
  • Kirlian-Fotografie
  • Konservative Magnetfeldtherapie
  • Ozontherapie
  • Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie nach von Ardenne (SMT)
  • Soft- und Midlasertherapie
  • Symbioselenkung (Biologische Therapie)
  • Thermoregulationsdiagnostik
  • Wiedemann-Kur
  • Zelltherapie
  • Zytoplasmatische Therapie und Gegensensibilisierung nach Theurer
  • Zytotoxikologischer Lebensmittel-Allergietest

Wegen ihres jeweils umfassenden und speziellen therapeutischen Konzepts als "Eigenständige Therapierichtungen" bezeichnet werden die traditionelle chinesische Medizin mit der Akupunktur, die Homöopathie, der Ayurveda und die anthroposophische Medizin.

Wirkfaktoren in den Naturheilverfahren:

Eine Unterteilung der verschiedenen Naturheilverfahren bzgl. ihrer Wirkfaktoren nimmt Melchart vor und unterscheidet dabei zwischen:
  • Naturistischen Verfahren z. B. Ernährungs- und Phytotherapie
  • Physikalischen Verfahren z. B. Elektro- und Lichttherapie
  • Bioinformativen Verfahren z. B. Akupunktur und Kinesiologie

Dabei ist es durchaus möglich, dass bei einem Verfahren zwei Wirkfaktoren gemeinsam auftreten können (Beispiel: Hydrotherapie naturistisch + physikalisch).

Wirkprinzipien in den Naturheilverfahren:

Allen Naturheilverfahren gemeinsam ist eine aktive, “autoregulative“ Rolle des menschlichen Organismus in Bezug auf die Therapie. Betont wird die Selbstheilung (Hygiogenese) durch Sekundärreaktionen. Dabei wird plakativ die Selbstheilung der “Kunstheilung“ gegenübergestellt:

Künstliche Therapie
Natürliche Therapie
Direkte Wirkungen
Primäre Effekte
Pathogenetisch orientiert
1. Ausschaltung
2. Lenkung
3. Ersatz
Indirekte Wirkungen
Sekundäre Effekte
Hygiogenetisch orientiert
1. Schonung
2. Normalisierung
3. Kräftigung


Wirkprinzipien der Therapie nach Hildebrandt

Naturheilkundliche Therapieverfahren können noch weiter nach ihren Wirk­prinzipien wie folgt unterschieden werden:

Reiztherapien mittels spezifischer Reize (Fasten, heißes/kaltes Wasser) soll der Organismus zu einer “reaktiven Eigenleistung“ angeregt werden.

Immunmodulation und –stimulation Einsatz bestimmter Mittel wie z. B. Heilpflanzen (z. B. Echinacea) mit Einfluss auf die vermehrte Bildung bestimmter Immunzellen (Makrophagen, Natürliche Killerzellen)

Umstimmungstherapien die Reaktionsbereitschaft des Organismus soll verändert werden z. B. über eine Aktivierung des sympathischen Nervensystems

Energetische Therapien dem Körper sollen spezifische Informationen gegeben werden, die zu einer Veränderung der Reaktionslage führen sollen (z. B. Homöopathie)

Substitutionstherapien hier werden bestimmte Nähr-/Wirkstoffe (Mineralstoffe, Sekundäre Pflanzenstoffe, Vitamine) zugeführt, die z. B. Enzymaktivitäten steigern



Literatur
  • Bierbach, E. (Hrsg.): Naturheilpraxis heute; Urban & Fischer
  • Melchart, D., Wagner, H.: Naturheilverfahren – Grundlagen einer autoregulativen Medizin; Schattauer Verlag

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