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Gesundheitslexikon
Im Gesundheitslexikon erhalten Sie ausführliche Informationen und Definitionen zu diversen Stichwörtern rund um Ernährung und Gesundheit.

Urheber dieses Lexikons ist die Reformhaus Fachakademie. Inhaltliche Abweichungen zu den EDEN Produktinformationen sind daher grundsätzlich möglich.




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Weichmacher

Weichmacher sind Stoffe, die spröden Kunststoffen zugesetzt werden, um sie biegsam, dehnbar oder “weich“ zu machen. Die größte und für die Gesundheit bedenkliche Gruppe der Weichmacher sind Phtalate. Sie können aus dem Material austreten, in die Umwelt und letztendlich in die Nahrungskette gelangen.

Neben den zur Zeit noch überwiegend verwendeten Phtalaten kommen ölartige Stoffe, Weichharze und natürliche Substanzen wie Kampfer, Rizinusöl oder Zitrate als Alternativen in Frage.

Materialien mit Weichmachernn:

Sie sind in großen Mengen in Kunststoffen enthalten. Die Verbrauchs­menge allein der Phtalate liegt in Europa bei rund 1 Million Tonnen pro Jahr. Die folgende Übersicht zeigt, in welchen Artikeln Weichmacher eingesetzt werden:


Chemie der Phtalate:


Der Begriff Phtalat ist die Kurzform von “Phtalsäureester“, also Ester der Phtalsäure (1,2-Benzoldicarbonsäure), die über mindestens eine ihrer bei­den Carbonsäure (COOH-)-Gruppen mit einem Vertreter der Stoff­gruppe der Alkohole verbunden sind. Unterschieden werden aufgrund ihrer chemischen Struktur in der Regel die niedrigmolekularen Phtalate (LMW = low molecular weight) und die hochmolekularen (HMW = high molecular weight) Phtalate. Aufgrund der geringeren Gesundheits- bzw. Umweltschädlichkeit besteht ein Trend zur stärkeren Verwendung der HMW.
Die folgenden Phtalate werden häufig in Kunststoffen verwendet:

Niedrig molekulare Phtalate (LMW):
  • Di(2-ethylhexyl)phthalat (DEHP)
  • Dibutylphthalat (DBP)
  • Di-isobutylphthalat (DIBP)
  • Benzylbutylphthalat (BBP)


Hoch molekululare Phtalate (HMW)
  • Di-isononylphthalat (DINP)
  • Di-isodecylphthalat (DIDP)
  • Di(2-propylheptyl)phthalat (DPHP)
Die am häufigsten eingesetzten Phtalate in Europa sind DINP, DIDP und DPHP.

Gesundheitliche Risiken der Phtalate:

Die hauptsächliche Gesundheitsgefährdung besteht in ihrer Wirkung als “endokrine Disruptoren“. Dies bedeutet, dass sie die Wirkung insbeson­dere von Fruchtbarkeits- und Sexualhormonen verändern und zum Beispiel die männliche Fortpflanzungsfähigkeit vermindern können. Auch die Hormonfunktionen von Hirnanhangs- und Schilddrüse können beein­trächtigt werden. Die Phtalate DINP und DIDP können lebergiftig wirken.

Umweltfreisetzung und -risiken der Phtalate:

Wege, über die Phtalate in die Umwelt gelangen können, sind Ausgasen, Auswaschen oder Produktabrieb. Die Freisetzung in die Luft ist eher ge­ring. Allerdings neigen sie dazu sich an Partikel anzulagern und so zum Beispiel über Feinstaub die Umwelt zu belasten. In Wohnungen las­sen sich Phtalate vor allem im Hausstaub nachweisen. Auch über das Aus­waschen beispielsweise aus Textilien können sie in das Abwasser gelan­gen. Gefunden wurden Weichmacher zudem im Klärschlamm. Wenn dieser auf Felder ausgebracht wird, können Phtalate in Böden und Feldfrüchte gelangen.

In der EU Risikobewertung werden bestimmte Phtalate als riskant für “das aquatische und terrestrische Ökosystem“ eingestuft. DBP ist zum Beispiel in einer EU-Verordnung eingestuft als "sehr giftig für Wasser­organismen mit langfristiger Wirkung“. Weniger belastend für die Umwelt sind die heute vermehrt eingesetzten Phtalate DIDP, DINP und DPHP.

Gesetzliche Bestimmungen für Weichmacher:

Die niedrigmolekularen Phtalate DEHP, DBP, BBP und DIBP wurden aufgrund ihrer Einstufung als reproduktionstoxisch eingestuft. Sie gelten damit als „besonders Besorgnis erregende Stoffe“ (Anhang XIV der EG-Verordnung Nr. 1907/2006 über die Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe - REACH. Sie unterliegen seit dem Jahre 2007 damit dem im Chemikalienrecht neuen Zulassungsverfahren.

Für zulassungspflichtige Stoffe gilt ein generelles Herstellungs- und Verwendungsverbot ab dem sogenannten “Ablauftermin“, der ebenfalls im REACH-Anhang tabelliert ist. Für die genannten vier Phtalate ist der Ablauftermin der 21.2.2015. Nach dem Ablauftermin darf ein zulassungs­pflichtiger Stoff ausschließlich mit einer Ausnahme­geneh­migung (Zulas­sung) befristet verwendet oder hergestellt werden.

Für die Bereiche Babyartikel und Kinderspielzeug erteilte die EU-Kommission Anwendungsverbote:

Spielzeuge und Babyartikel mit Konzentrationen von DEHP, DBP, BBP von mehr als 0,1 % Masse-% des weichmacherhaltigen Materials dürfen nicht in Verkehr gebracht werden.

Für Spielzeuge und Babyartikel, die Kinder in den Mund nehmen können, sind DINP, DIDP und DNOP verboten.

Für die Verwendung von Phtalaten in Kunststoffverpackungen für Lebensmittel sind Grenzwerte bzgl. des Überganges ins Lebensmittel festgelegt. Zudem gibt es Verwendungsverbote und spezielle Einschränkungen bei fetthaltigen Lebensmittel, da Phtalate fettlöslich sind. Verwendungsverbote existieren auch für Kleinkind- und Säuglingsnahrung.

Alternativen zu Phtalaten:

Folgende Substanzen werden als Alternativen eingesetzt:
  • Adipate (Ester der Adipinsäure)
  • Benzoate (Ester der Benzoesäure)
  • Cyclohexanoate (Ester der Cyclohexan-1,2-dicarbonsäure)
  • Citrate (Ester der Citronensäure)
  • Phosphate
  • Sojabohnenöle epoxydiert
Allerdings muss auch bei diesen Phtalatalternativen mit Emissionen gerechnet werden. Sie haben eine höhere TDI ( = tolerierbare tägliche Aufnahme).

Nachweis von Phtalaten beim Menschen - Biomonitoring:

Spezifische Abbauprodukte (Metabolite) der Phthalate werden im Urin ausgeschieden. Über deren Konzentration kann auf die aufgenommene Menge an Phthalaten geschlossen werden.

Die Belastung der Menschen mit Phtalaten wird in regelmäßig durchge­führten Studien gemessen. In praktisch allen untersuchten Urinproben wurden Phtalatabbauprodukte gemessen. Allerdings ist die Belastung mit einigen Phtalaten in den vergangenen 20 Jahren zurückgegangen. Um das Vierfache erhöht hat sich die Belastung mit DINP, das zunehmend als Ersatzstoff für DEHP eingesetzt wird. Informationen zu Phtalat­messungen des Umweltbundesamtes sind zu finden unter http://www.umweltprobenbank.de

Verminderung der Weichmacherbelastung:

Durch ein entsprechendes Konsumverhalten können Verbraucher die Belastung mit Weichmachern vermindern. Die wichtigsten Empfehlungen sind:
  • Bodenbeläge, Dichtstoffe und Lacke mit “Blauem Engel“ dürfen keine Phtalate enthalten
  • Böden und Teppichböden häufiger reinigen
  • Wandfarben mit dem "Blauem Engel“ enthalten < 0,1 % Weichmacher
  • Keine Tapeten mit PVC-Weichschaumbeschichtungen (Vinyltapeten)
  • Speisen häufiger frisch zubereiten, wenig Fertigprodukte verwenden
  • Kleinkinder sollten möglichst nur Sachen in den Mund nehmen, die auch dafür vorgesehen sind



Literatur
  • Bayerisches Landesamt für Umwelt: Phtalate – Stoffinformationen zu besonders besorgniserregenden Stoffen
  • Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) – Fragen und Antworten zu Phtalat/Weichmachern – www.bfr.de

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